November 2009 • Band XII, Ausgabe 19
Daniels Nachtvision (1)
Die Nachtvision Daniels zeigt uns eine
gewaltige Spannbreite der Weltgeschichte, vom Königreich Babylons bis
zum letzten Gericht umfasst sie eine Periode von mehr als 2500 Jahren.
Diese bemerkenswerte Vision beinhaltet vier entsetzliche Tiere (oder
Weltreiche), die zehn Hörner, die aus dem vierten Tier aufsteigen, das
kleine Horn (oder der Antichrist), das unter den zehn Hörnern aufsteigt,
das letzte Gericht des Hochbetagten, die ewige Herrschaft des
Menschensohnes und das unvergängliche Reich der Heiligen.
Daniel 7 wird im Neuen Testament
vornehmlich unter drei Gesichtspunkten verwendet. Erstens in den
Evangelien, in welchen der Titel „Menschensohn" (Dan. 7,13) die
charakteristische Selbstbezeichnung unseres Herrn ist. Zweitens wird die
Beschreibung vom kleinen Horn aus Daniel 7 (von dem auch in späteren
Kapiteln gesprochen wird) in 2.Thessalonicher 2 und an anderen Stellen
im Neuen Testament zur Darstellung des Antichristen verwendet. Drittens
weist das Buch der Offenbarung eventuell mehr auf Daniels Nachtvision
hin als auf irgendein anderes Kapitel seiner Prophezeiung.
Der Inhalt von Daniel 7 lässt sich
folgendermaßen zusammenfassen. Das Kapitel wird in zwei übersichtliche,
gleiche Teile unterteilt: die Verse 1-14 beinhalten die Vision und die
Verse 15-28 liefern die Interpretation. Der erste Teil lässt sich
ebenfalls in zwei Abschnitte teilen. In den Versen 1-8 sehen wir die
vier Tiere, die zehn Hörner und das kleine Horn. Die Verse 9-14
sprechen von dem Hochbetagten, dem Menschensohn und dem letzten Gericht.
Die Interpretation in den Versen 15-28 behandelt zunächst die vier
Tiere und dann etwas detaillierter das vierte Tier und das kleine Horn.
Die zweite Hälfte von Daniel 7 erklärt wiederholt, dass die Heiligen
des Allerhöchsten die Königsherrschaft bis in alle Ewigkeit erhalten
werden (V. 18, 22, 27).
Das erste Tier ist ein Löwe — das
babylonische Imperium (V. 4). Der Löwe ist nicht nur das Symbol
Babylons in der antiken nahöstlichen Kunst, sondern auch ein Bild
Babylons, das die alttestamentlichen Propheten verwendet haben (z.B.
Jer. 4,7).
Was ist die Bedeutung der Symbolik des
ersten Tieres? Der Löwe ist der König der Tiere und uns wird berichtet,
dass der Löwe „Adlerflügel" hatte; der Adler ist der König der
Vögel (Dan. 7,4). In Daniel 2 wird das erste Königreich mit Gold, dem
wertvollsten Metall, verglichen. All dies lässt die Würde, den
Reichtum und die Pracht Babylons erkennen. Das Abreißen seiner Flügel
zeigt das Ende seiner gewaltigen Eroberungen an. Das „wie ein Mensch
aufrecht auf seine Füße" Stellen und das Geben „ein[es]
menschliche[n] Herz[ens]" sprechen von einem vermenschlichenden
Prozess (7,4). „Durch das Empfangen Nebukadnezars eines ‚tierische[n]
Herz[ens]’ [4,13] wurde dem babylonischen Reich ein menschliches Herz
gegeben" (E. J. Young: Daniel, S. 144).
Das zweite Tier ist ein Bär — das Medo-Persische
Reich (7,5). Der Bär ist stark und wild. Dass er nur auf einer Seite
aufgerichtet ist, passt sowohl zu seinem dualen Reich, das von Medern
und Persern beherrscht wurde, als auch zu seinem Voranschreiten. Die
drei Rippen beziehen sich vermutlich auf insbesondere drei Königreiche,
die erobert wurden: Babylon im Süden, Lydien im Norden und Ägypten im
Westen. „Steh auf, friß viel Fleisch" zeigt seinen unbändigen
Appetit auf Eroberungen an (V. 5).
Das dritte Tier ist ein Leopard oder
Panther — das griechische Reich Alexanders des Großen (V. 6). Wie ein
Leopard mit „vier Vogelflügeln", ist es sehr schnell und daher
rasch in seinen Eroberungen. Die „vier Köpfe" sind eine
Prophezeiung, dass nach dem Tod Alexanders des Großen das Imperium in
vier Teile geteilt würde (V. 6).
Das vierte Tier ist das Römische Reich (V.
7). Es ist so entsetzlich, dass kein Tier oder Biest mit ihm verglichen
werden kann! Daher ist es anders „als alle vorherigen Tiere". Es
ist „furchterregend, schrecklich und außerordentlich stark" und
hat zwei Vernichtungswaffen. Die Erste ist sein Maul mit „große[n]
eiserne[n] Zähne[n]", die „fraß[en] und zermalmte[n]" (V.
7). Die Zweite, bestehend aus seinen Füßen und eherne Klauen, „zertrat
das Übrige" (V. 7; 19).
Lasst uns nun die vier Tiere zusammen und
gemeinsam betrachten. Gemäß Daniel 7,17 sind die vier Tiere „vier
Könige" oder Königreiche, denn ein Königreich wird von seinem
König beherrscht und verkörpert. Heute würden wir von diesen
Königreichen als Imperien sprechen.
Die vier Metalle des Bildes aus
Nebukadnezars Traum in Daniel 2 stellen dieselben Königreiche wie die
Tiere in Daniel 7 dar. Daniel 2 bezeichnet ganz klar das erste
Königreich als Nebukadnezars Babylon (V. 37-38). Daniel 8 lehrt uns,
dass es sich beim zweiten und dritten Königreich um das medo-perische
und griechische Königreich handelt. Rom ist das vierte Imperium, weil
in seinen Tagen Christus als der Stein „von dem Berg [...] losbrach,
und zwar nicht durch Hände" (2,45).
Der Ursprung der Tiere ist das Meer
(7,2-3). Das Meer ist die ruhelose, sündige Menschheit, die
wetteifernden Nationen (Jes. 17,12-13). Die „vier Winde des Himmels",
die das Meer schlagen, weisen auf alle Arten der Vorsehung hin:
Migration, Kriege, Erfindungen, Handel etc. (Dan. 7,2). Dass die vier
Königreiche „sich aus der Erde erheben" (V. 17) deutet darauf
hin, dass sie irdisch und menschlich sind, das Produkt gefallener,
sündiger Menschlichkeit — Königreiche der Menschen.
Aber warum porträtiert Daniel 2 die vier
Königreiche als Metalle und Daniel 7 dieselben Imperien als Tiere? Die
Metalle geben uns sozusagen die menschliche Perspektive: diese
Königreiche sind edel und ruhmreich. Die Tiere zeigen uns
gewissermaßen Gottes Perspektive. Er sieht deutlich die Sünde,
den Götzendienst, den Luxus und die Unterdrückung dieser Imperien.
Diese Königreiche sind entmenschlicht, eher dem Bereich der Tiere als
dem der Menschen zuzuordnen.
Die jeweiligen Tiere, die in Daniel 7
ausgesucht wurden sind räuberische und Furcht erregende Tiere, die
entlang ihres Weges alles niedermetzeln. Was würdest du tun, wenn du
eines dieser Tiere auf dich zukommen sähest? Schreien! Und laufen! Die
gottlose Welt in einem mächtigen Imperium vereint, das gottlose Gesetze
verabschiedet und durchsetzt und die Heiligen verfolgt, lässt die
Herzen von Gottes Kindern automatisch mit Angst erfüllen. Machthungrige,
sündige Menschen, die Unheil gesetzlich einrahmen, sehen in den Augen
Gottloser wie Gold, Silber, Bronze und Eisen aus — Herrlichkeit und
Macht (Dan. 2). Den Heiligen jedoch sind sie ein Furcht erregendes Tier
(Dan. 7). Aber „fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten,
die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der
Seele und Leib verderben kann in der Hölle!" (Matt. 10,28)! Rev.
Stewart

Der Platz der Kinder
im Bund (2)
Frage: „Sind Kinder im Gnadenbund auch
was die Taufe angeht betroffen oder nur die erwählten Mitglieder nach
der Bekehrung? Mit wem wurde der Bund der Werke geschlossen? Der
sichtbaren oder nicht sichtbaren Gemeinde? Wie spielt das alles zusammen?
In der letzten News Ausgabe habe ich
gezeigt, dass die erwählten Kinder von Gläubigen von frühester
Kindheit an zum Bund gehören und zumindest in einigen Fällen sogar vor
der Geburt, z.B. bei Jeremia oder Johannes dem Täufer. Die Frage lautet
nun: Wenn nur die erwählten Kinder von Gläubigen in Gottes Bund
eingeschlossen sind, warum werden dann alle Kinder von Gläubigen
getauft? Diese Frage ist wichtig, denn Baptisten machen viel Aufhebens
darum, dass die Taufe an Erwählten und Verworfenen gleichermaßen
vollzogen wird. Ihrem Urteil nach ist dies ein schwerwiegender Fehler.
Doch Baptisten liegen damit falsch. Sie
verstehen Gottes Handeln mit den Menschen nicht. Um offen zu sein, ich
verstehe die Position der Baptisten in dieser Hinsicht nicht. Sicherlich
glauben Baptisten gemeinhin, einschließlich „reformierter"
Baptisten, dass das Evangelium von mehr Menschen als nur den Erwählten
gehört wird. Sicherlich glauben sie auch, dass die Taufe als ein
Sakrament mit der Evangeliumspredigt verknüpft ist und zwar als ein
Zeichen und Siegel der Evangeliumsbotschaft und dem Versprechen des
Evangeliums, dass wer auch immer an Christus glaubt gerettet wird. Warum
ist es so schwer zu glauben, wenn das Predigen in seinem äußerlichen
Ruf allgemein ist und die Taufe als ein Zeichen und Siegel zum
Evangelium gehört, dass auch die Taufe an mehr Menschen vollzogen wird
als von Gott zur Erlösung erwählt wurden?
Ich bin mir bewusst, dass viele Baptisten
daran festhalten, dass die Taufe kein Sakrament in dem Sinne ist, dass
es wie das Predigen des Evangeliums auch, ein Mittel Gottes ist sein
Volk zu retten. Ich bin mir außerdem bewusst, dass viele (wenn nicht
die meisten) Baptisten das Evangelium als ein Angebot betrachten,
welches Gottes Liebe für alle ausdrückt, die das Evangelium hören.
Aber dennoch wird das Evangelium, in baptistischer Denkweise, weit mehr
Menschen verkündet als tatsächlich gerettet werden. Dies scheint mir
eine Unstimmigkeit zu sein. Wenn Erlösung, wie calvinistische Baptisten
betonen, nur aus Gnade geschieht, warum kann Gott dann nicht sowohl
Kleinkinder als auch Erwachsene retten?
In diesem Zusammenhang müssen zwei oder
drei Punkte betont werden. Genauso wie Gott will, dass das Evangelium
viel mehr Menschen als nur den Erwählten gepredigt wird, die durch das
Predigen gerettet werden, so will Gott auch, dass das Zeichen und Siegel
des Bundes mehr Menschen empfangen als nur die Erwählten. Das
Evangelium ist positiv ausgedrückt, die öffentliche Verkündigung von
Gottes großem Werk der Erlösung in Christus. Es ist die Bekanntmachung
von Gottes Versprechen, dass er alle, durch Christus und den Glauben an
Christus, ganz sicher retten wird, die glauben. Von einem negativen
Standpunkt aus betrachtet, ruft das Evangelium alle Menschen überall zu
der dringenden Pflicht auf, ihre Sünden zu bereuen und an Christus als
die einzige Hoffnung auf Erlösung zu glauben. Alle, die das hören
werden mit dieser ernsten Aufforderung konfrontiert, einschließlich der
Drohung einer ewigen Strafe für Unglauben.
Gott fügt das wunderbare Versprechen hinzu,
dass er nicht nur Gläubige, sondern auch deren Kinder retten wird. So
wirkt Gott. Er rettet nicht nur Individuen; er rettet Haushalte,
Familien, Generationen. Er tut dies, ob das Evangelium in der Gemeinde
oder auf dem Missionsfeld gepredigt wird. Von der Schwachheit unseres
Glaubens wissend, fügt Gott zu dem gepredigten Evangelium das Sakrament
der Taufe als ein Zeichen und Siegel der Wahrheit des Versprechens hinzu
— ein Zeichen und Siegel, welches in der Kirche vollzogen wird. Es ist
ein Zeichen und Siegel von Gottes Bund; von Gottes Bund, der in der
Linie von Generationen errichtet wird — mit Gläubigen und ihren
Nachkommen.
Wie ihr wisst, machen einige die
Evangeliumsverkündigung zu einem Erlösungsangebot, das Gottes Wunsch
ausdrückt alle Menschen zu retten. Solch ein Angebot drückt die
Verleihung von Gnade an alle Hörer des Evangeliums aus, so dass die
Hörenden ihre eigene Willensentscheidung darüber fällen können, ob
sie das Evangelium annehmen oder nicht. Dieses Prinzip wird auf die
Taufe ausgeweitet. Einige Reformierte lehren, dass Gottes
Bundesversprechen und "genügsame Gnade" an alle Getauften
gerichtet ist und dass die Errichtung des Bundes mit auch nur einem von
ihnen davon abhängt, ob sie die Konditionen des Bundes akzeptieren und
erfüllen oder nicht.
Diese Sichtweise macht es unmöglich die
Kindertaufe aufrechtzuerhalten. Ein Kleinkind kann Christus nicht
empfangen, wenn das Evangelium gepredigt wird und Babys können die
Konditionen eines allgemeinen Versprechens nicht erfüllen. Dieser
Sichtweise zufolge bleiben sie bis zu dem Zeitpunkt unbekehrt, zu dem
sie ihren eigenen Willen, befähigt durch eine allgemeine Bundesgnade,
ausüben können und Gottes Konditionen akzeptieren. Doch dies ist
reiner Arminianismus und kann auch nichts anderes sein.
Die Erben des Evangeliumsversprechens sind
die Erwählten. Weil Gott der souveräne Herr ist, der alleine retten
kann und dies auch tut, bestimmt er, wer gerettet werden soll und wer
nicht. Das Evangelium ist das Mittel, das Gott gebraucht, um nur die
Erwählten zu retten; und die Taufe ist ein Zeichen und Siegel in
Verbindung mit dem Evangelium, das uns versichert, dass unsere Kinder
genau wie wir errettet sind, doch nur gemäß der souveränen Erwählung.
Die Erlösung unserer erwählten Kinder beginnt (gewöhnlicherweise) in
früher Kindheit.
Die liturgische Agenda für die Taufe, die
in unseren Kirchen verwendet wird, beginnt im zweiten Teil mit diesen
einschneidenden Worten: „Obgleich unsere Kinder dies alles nicht
verstehen, dürfen wir sie trotzdem nicht von der Taufe ausschließen.
Denn genauso wie sie ohne ihr Wissen Anteil haben an der Verdammnis in
Adam, so werden sie auch ohne ihr Wissen in Christus aus Gnade zu Gottes
Kindern angenommen." Daraufhin wird das Versprechen Gottes aus
1.Mose 17,7 zitiert.
Doch wenden wir uns nun der anderen Seite
der Medaille zu. Das Evangelium wird mehr Menschen als nur den
Erwählten gepredigt, weil Gott das Gebot des Evangeliums an alle, die
Sünden zu bereuen und an Christus zu glauben, als Mittel benutzt, die
Menschen ohne Entschuldigung dastehen zu lassen. Sie haben das
Evangelium gehört, sie wissen was ihre dringende Pflicht ist. Ihnen
wurde gesagt, dass Erlösung für all diejenigen sicher ist, die glauben
und dass das Gericht über die kommt, die nicht glauben. Dennoch lehnen
sie es ab und werden so zu recht verurteilt. Am letzten Tag werden sie
mit ihrer eigenen bösartigen Rebellion konfrontiert werden und können
Gott keinen Vorwurf machen, wenn sie in die Hölle gesandt werden. Somit
offenbart Gott seine eigene Heiligkeit und seinen Hass gegenüber der
Sünde in der gerechten Bestrafung des Sünders.
Dasselbe gilt auch für die Taufe. Alle,
die getauft sind empfangen das Zeichen und Siegel des Bundes und sind
aufgefordert ein Leben im treuen Dienst Gottes zu leben. Wenn sie ihre
Taufe verschmähen, verschmähen sie das Evangelium und seine
Verheißungen. Sie zeigen damit, dass sie sich nicht um die Verheißung
kümmern, die in der Taufe gezeigt und besiegelt wurde und sie weisen
ihren Ruf zurück, in Heiligkeit und im Gehorsam an Gott zu wandeln.
Dieses Thema werde ich in der nächsten Ausgabe der News
aufgreifen. Prof. Hanko

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