Dezember 2009 • Band XII, Ausgabe 20
Daniels Nachtvision (2)
In den letzten News sahen wir, dass
die vier Tiere oder antichristlichen Reiche aus Daniel 7 aus dem
tobenden Meer der Menschheitsgeschichte aufsteigen. Dies alles wird vom
souveränen und gerechten Gott des Himmels und der Erde beschlossen,
beherrscht und geplant.
Die drei Phasen des vierten Tieres werden
in den Versen 19-21 und 23-25 beschrieben. Phase eins bedeutet die
Herrschaft des vierten Tieres (V. 19,23). Die zweite Phase ist die Zeit
der zehn Hörner, die aus dem Kopf des vierten Tieres aufsteigen (V.
20,24). Phase drei ist das Aufstreben des kleinen Horns aus der Mitte
der zehn Hörnern heraus (V. 20-21, 24-25).
Das Römische Reich zerfiel 476 (wenn auch
Teile von ihm im Osten weiter bestehen blieben bis Konstantinopel 1453
den Muslimen zufiel). Seit dem sucht man vergebens nach zehn bestimmten
Reichen. Zehn ist die Zahl der Vollkommenheit, wie die zehn Gebote (eine
vollständige Zusammenfassung von Gottes Gesetz) und die zehn Plagen (ein
vollständiges Gericht, verhängt über Ägypten). Die verschiedenen
Königreiche und Mächte Europas beinhalteten seit dem Zerfall des
Römischen Reiches, verschiedene Aspekte des Römischen Reiches und sind
ohne dieses unerklärbar.
Das vierte Tier (Rom) ist gefallen. Wir
leben in den Tagen der zehn Hörner. Als nächstes kommt die dritte
Phase des vierten Tieres auf uns zu: die des Antichristen oder kleinen
Horns. Gemäß Vers 8 steigt das kleine Horn aus den Mächten des post-römischen
Weltreiches empor, ersetzt damit die Mächte dieser Welt (drei Hörner)
und unterwirft sie (V. 24).
Als ein „Horn" ist der Antichrist
mächtig (das Horn ist ein Symbol der Stärke). Er überwindet drei
Hörner und unterscheidet sich von den vorangegangenen zehn Hörnern (V.
24), weil er viel größer ist. Dennoch ist er immer noch ein Mensch und
kein Dämon oder Teufel. Er hat „Augen wie Menschenaugen" und er
ist ein „kleines Horn" (V. 8). Aber sein anmaßender Hochmut ist
etwas, das betrachtet werden sollte. Er sieht „so viel größer aus
[...] als seine Gefährten" (V. 20). Er hat ein Maul, das große [d.h.
pompöse] Dinge redete" (V. 8, 11). Mit diesem Maul spricht er „große
Dinge" — über sich selbst (V. 20)! Er lästert Gott: „er wird
[freche] Reden gegen den Höchsten führen" (V. 25). Das kleine
Horn ist der „Mensch der Sünde" und der „Sohn des Verderbens",
der „sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder
Gegenstand der Verehrung heißt, so daß er sich in den Tempel Gottes
setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt" (2.Thess.
2,3-4).
In Daniels Nachtvision verfolgt der
Antichrist die Kirche und verwüstet sie: „Ich schaute, wie dieses
Horn Krieg führte mit den Heiligen und sie überwand" (Dan. 7,21).
Er schindet und reibt sie auf wie ein Kleidungsstück (V. 25). Er
ändert „Zeiten und Gesetze" (V. 25), indem er zum Beispiel den
Sonntag entehrt und ein gottloses Gesetzsystem entwirft, durch das er
die Heiligen in Armut stürzt, gefangen nimmt und umbringt.
Obwohl das kleine Horn noch nicht
emporgestiegen ist, schreiten die antichristlichen Herrscher in Staat
und Kirche, in dieser Periode der zehn Hörner, in den Sünden immer
weiter voran. Gottlose Gesetze treten in Kraft; zum Beispiel gegen
Christen, die sich gegen die Sünde der Sodomie aussprechen oder gegen
Prediger, als wäre die treue Verkündigung des Evangeliums von Jesus
Christus ein Hassverbrechen. In Deutschland ist es Christen verboten
ihre Kinder zu Hause im Licht der Schrift zu unterrichten.
Denk an die Verfolgung bekennender Christen
in muslimischen Ländern: Tausende wurden im Süden Sudans
niedergemetzelt; Kirchengebäude wurden zerstört und Christen wurden in
Indonesien, im südlichen Teil der Philippinen und in Nigeria umgebracht;
Christen flüchten aus dem Irak etc. In vielen islamischen Ländern ist
das Evangelisieren unter Muslimen verboten — in Opposition zu Christus
großem Auftrag — und christliche Schulen oder Kirchen zu bauen oder
sie auch nur zu reparieren wird von der Obrigkeit oder von der feindlich
gesinnten Bevölkerung erschwert. Die antichristliche Welt sucht die
Heiligen zu zermürben und auszulaugen: „Wer aber ausharrt bis ans
Ende, der wird gerettet werden" (Matt. 24,13).
Die Königreiche der Tiere, des vierten
Tieres und der zehn Hörner und des kleinen Horns erhalten ihre Macht
allein von dem einen wahren Gott, der ihnen ihre Herrschaft verleiht
(Dan. 7,6). Die antichristlichen Königreiche können Gottes Volk nur
verfolgen, weil der lebendige Gott sie „in [ihre] Gewalt
gegeben" hat (V. 25). Sogar die Zeit ihrer Macht ist beschränkt.
Die vier Tiere steigen nacheinander auf und vernichten dabei ihre
Vorgänger. Die zehn Hörner treten die Nachfolge des vierten Tieres an,
deren Nachfolge wiederum das kleine Horn antritt. Die Heiligen „werden
in seine Gewalt gegeben für eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit"
(V. 25). Man könnte denken, dass den ersten beiden Begriffen in der
Sequenz (eine Zeit, zwei Zeiten) der Begriff „drei Zeiten" (durch
Addition) oder „vier Zeiten" (durch Verdoppelung) folgen würde.
Statt dessen lautet der dritte Begriff in der Sequenz „halbe Zeit".
Mit anderen Worten: Gott verkürzt die Zeit des kleinen Horns um der
Erwählten Willen, weil sie nicht mehr ertragen könnten (Matt. 24,22).
Schließlich werden die antichristlichen
Königreiche gerichtet. Daniel 7 sagt am meisten über die Verurteilung
des Antichristen selbst, dem kleinen Horn, denn er ist die letzte und
größte antichristliche Macht. Das kleine Horn selbst wird sogar als
„das Tier" (V. 11) bezeichnet; das Buch der Offenbarung greift
das auf.
Am Ende der Welt, wenn die Macht des
Antichristen auf ihrem Höhepunkt steht und er zu triumphieren scheint,
wird Gott das letzte Gericht einberufen. Das Gericht wird versammelt
werden, der Hochbetagte setzt sich gekleidet in Gerechtigkeit und Ehre
und „sein Thron [ist wie] Feuerflammen und dessen Räder ein
brennendes Feuer" (V. 9). Er ist umgeben von Millionen Engeln und
ein Feuerstrom ergießt sich vor ihm (V. 10). Wenn die Bücher geöffnet
werden und die Aufzeichnungen der Taten aller Menschen verlesen werden
(V. 10), wird über eine Person besonders gerichtet: das kleine Horn
oder Tier, das inmitten seiner Prahlereien und Blasphemien gestoppt
werden wird (V. 11). Er wird getötet und in die Hölle geworfen (V. 11)
und die anderen Tiere werden verurteilt (V. 12).
Das Königreich ist nicht das des
Antichristen, es ist Gottes Königreich! Am letzten Tag wird Gott
Christus öffentlich ausrufen, „einer [...], gleich dem Sohn eines
Menschen", der allumfassende Herrscher mit einer ewig währenden
Herrschaft (V. 13-14; Off. 11,15). Jesus ist der Herr; alle müssen sich
vor ihm beugen und ihn bekennen (Phil. 2,10-11)!
Rev.
Stewart

Sind alle Kinder von
Gläubigen gerettet?
Frage: „ Prof. Hanko schrieb ‘Wenn
Eltern auf dem Missionsfeld bekehrt werden, sind ihre Kinder ebenfalls
gerettet...’ Das hört sich an, als ob alle Kinder von allen
Gläubigen notwendigerweise gerettet würden. Mit Bezug auf seine
zitierten Bibelstellen, würde ich eher denken, dass dies ein
Versprechen an gläubige Eltern ist, aber keine Garantie, richtig? Aber
warum ist ein Versprechen keine Garantie? Ist es wegen des 11. Kapitels
im Römerbrief, wo geschrieben steht, dass auch in der Linie des Bundes
nicht jeder gerettet werden wird? So dass wir wissen, dass obwohl es ein
Versprechen ist, dass einige Kinder von Gläubigen gerettet werden, es
nicht jedes Kind sein wird."
Diese Frage ist überhaupt nicht
ungewöhnlich. Ich habe über die Jahre festgestellt, dass die biblische
Sichtweise des Bundes fast immer dieselbe oder ein ähnliche Frage
hervorruft.
Die Fragende zitiert mich richtig und hat
recht, wenn sie später in ihrer E-Mail sagt: „Es ist klar, dass er
nicht meint, dass alle von Gläubigen geborene Kinder gerettet sind".
Allerdings ist nicht wahr, dass ein göttliches Versprechen keine
Garantie ist. Menschliche Versprechen mögen keine Garantie sein, aber
Gottes Versprechen ist eine (s. Heb 6,13-20). Was er verspricht, wird er
tun.
Wie ist es möglich zu sagen, dass Gott
verspricht Gläubige und ihre Kinder zu retten und dennoch rettet er
nicht alle von ihnen? Beachte erstens, dass ich die Schrift selbst
zitiert habe. Als Gott seinen Bund mit Abraham errichtete, sagte er
nicht, er würde seinen Bund mit Abraham und einigen seiner Nachkommen
errichten. Gott sagte: „Und ich will meinen Bund aufrichten zwischen
mir und dir und deinem Samen nach dir von Geschlecht zu Geschlecht als
einen ewigen Bund, dein Gott zu sein und der deines Samens nach
dir" (1.Mose 17,7).
Als Petrus sich an die besorgte Menge
wendet, die ihn an Pfingsten predigen gehört hat, gebietet er ihnen
Buße zu tun: „Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und
allen, die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird"
(Apg. 2,39). Petrus sagt nicht „einige eurer Kinder". Er
sagt einfach „und euren Kindern". Gottes Versprechen ist die
Erlösungsgarantie und so wird Erlösung Gläubigen und ihren Kindern
versprochen. Allerdings wird das Verspechen von diesem Zusatz
eingeschränkt: „so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird",
in Anlehnung an Gottes wirksamen Ruf seiner Erwählten.
Gott sagt in der Schrift niemals, dass die
Erlösungsversprechungen den Gläubigen und all ihren Kindern gelten.
Sie spricht von „Kindern" und „Generationen" im
Allgemeinen. Dass diese Ausdrucksweisen bedeuten, Gott sage all unseren
Kindern Erlösung zu, ist eine unberechtigte Annahme, die im Widerspruch
zu Gottes Wort steht. Die Leserin verweist richtigerweise auf Römer 11,
zusätzlich zu meinem Verweis auf Römer 9 in den letzten News.
Die Geschichte der israelitischen Nation selbst, legt nicht nur Zeugnis
davon ab, dass Gott nicht alle Nachkommen von Gläubigen rettet, sondern
auch, dass die Mehrheit der Kinder von Gläubigen nicht gerettet wird
(s. Jes. 1,8-9).
Viele halten daran fest, dass das
Versprechen — besonders jenes, das in der Taufe enthalten ist —
bedeutet, dass Gott sein Versprechen jedem getauften Kind gibt; dass
dieses Versprechen jedoch konditional ist und denjenigen, die die
Bedingungen nicht erfüllen, nicht zuteil wird. Das in
Missionseinsätzen gepredigte Versprechen wird dann allen gegeben, die
zuhören, denn so sagen sie, das Evangelium ist ein wohlmeinendes,
konditionales Angebot. Aber konditionale Theologie ist arminianische
Theologie!
Wir sprechen genau so wie die Schrift
spricht, in unserer normalen alltäglichen Sprache. Ein Bauer geht
hinaus, um sein Feld abzuernten — in dieser Art und Weise spricht er.
Doch es gibt auch Unkraut auf seinem Feld. Erntet er das Unkraut? Sagt
er: „Ich gehe hinaus, um etwas von dem zu ernten, was auf meinem Feld
wächst?" Nein! Er betrachtet das Feld aus dem Blickwinkel seiner
Absicht. Seine Absicht ist nicht, Dornen und Disteln zu sähen und zu
ernten, obwohl sie wie das Getreide „abgeerntet" werden. Seine
Absicht ist sein Getreide.
Gott handelt mit den Menschen, und
besonders mit seinem Bundesvolk, organisch. In Johannes 15 wird
die gesamte Pflanze des von Gott erklärten Volkes als Weinreben
bezeichnet, aber einige Zweige werden abgeschnitten, denn sie tragen
keine Frucht (s. Psalm 80; Jes. 5). In den Propheten spricht Gott sogar
vom abtrünnigen Israel als „mein Volk". Er spricht die Nation
als Ganzes an. Scharf und wütend tadelt er sie für ihre Sünden und
spricht von dem herannahenden Urteil der Gefangenschaft zu ihnen. Aber
er macht auch der gesamten Nation kostbare Versprechungen im Hinblick
auf Erneuerung, Befreiung und Segnung. Wie kann Gott das tun? Wie kann
er von der ganzen Nation als „mein Volk" sprechen und von beidem,
Urteil und Erlösung, sprechen? Wie kann ein Bauer von seinem Feld als
einem Weizenfeld sprechen, wenn sein Feld voller Unkraut ist?
Wenn Gott sich gnädig an die israelitische
Nation (und die Gemeinde in allen Zeiten) wendet, betrachtet er sie aus
der Perspektive der Erwählung in Christus. Gott will seine erwählte
Gemeinde sammeln und verherrlichen. Aus diesem Grund machen uns die
Parabeln von dem Unkraut im Feld und dem Fischernetz, welches guten und
schlechten Fisch enthält, deutlich, dass der Weizen und das Unkraut
nicht vor dem Ende der Welt getrennt werden und dass die schlechten
Fische auf die Ufer der Ewigkeit geworfen werden.
Das Gebot, Buße zu tun und an Christus zu
glauben, geht durch die Predigt (wie auch durch die Taufe, die als ein
Zeichen und Siegel die Wahrheit des Evangeliums bestätigt) an alle, die
es hören. Das Gebot stellt jeden vor die Aufforderung, Sünden zu
bereuen — Erwählte und Verworfene gleichermaßen. Das Versprechen,
das beim Predigen immer verkündet wird lautet: „Alle, die an Christus
glauben sind gerettet." Alle hören das — Erwählte und
Verworfene gleichermaßen. Doch das Versprechen richtet sich nur an die
Erwählten bzw. zu deren Wohl.
Gott gebraucht das Evangelium, um den
Erwählten die Erlösung zu bringen, denn der äußerliche Ruf wird vom
wirksamen Ruf begleitet. Der Rest wird in seinen Sünden verhärtet und
wird reif für das Gericht werden, denn sie werden und können dem Gebot,
Buße zu tun und an Christus zu glauben, keine Folge leisten. Gottes
Absicht wird demnach erfüllt: Die Absicht, seine erwählte Gemeinde zu
erlösen und sein gerechtes Gericht über die Verworfenen, wegen all
ihrer Boshaftigkeit kommen zu lassen.
Wir müssen lernen im Sinne eines Organismus
zu denken. Gott geht immer auf diese Weise mit der Menschheit um. Der
Arminianismus ist individualistisch: jeder Mensch steht für sich
alleine. Es ist alles nur eine Frage der Beziehung eines Individuums zu
Gott. Es ist natürlich wahr, dass jeder Mensch für seine eigenen Taten
vor Gott Rechenschaft ablegen muss, aber er lebt auch in einer
organischen Einheit mit den anderen Heiligen, seiner Familie und seiner
Nation. Auf Basis all dieser Beziehungen wird Gott ihn richten.
Nicht zuletzt dient Gottes Verurteilung der
Gottlosen der Erlösung der Erwählten, denn „Zion wird durch Recht
erlöst werden" (Jes. 1,27). Das Wort Gottes aus Hebräer 6,7-8 ist
erfüllt: „Denn ein Erdreich, das den Regen trinkt, der sich öfters
darüber ergießt, und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die
es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; dasjenige aber, das Dornen und
Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluch nahe; es wird am Ende
verbrannt."
Gott rettet seine Erwählten aus dem
Organismus der menschlichen Rasse heraus, die in Adam gefallen ist, um
einen neuen Organismus zu schaffen, die Gemeinde in Christus, dem
zweiten Adam. Prof. Hanko

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