Januar 2010 • Band XII, Ausgabe 21
Die Psalmen vs. allgemeine Gnade (1)
Die allgemeine Gnade ist laut ihren
Vertretern eine Gnade Gottes, die allgemein ist: eine Gnade von Gott
für jedermann, für jeden einzelnen ohne Ausnahme, inklusive der
Verworfenen, die weder in Christus erwählt noch erlöst oder wirksam
berufen sind. Die Verfechter der allgemeinen Gnade behaupten, dass Gott
den Verworfenen gegenüber Gnade, Liebe und Erbarmen zeigt; also genau
denjenigen gegenüber, denen Gott in Ewigkeit nicht die Rettung, sondern
die Bestrafung gemäß ihrer Sünden vorgesehen hat.
Zwar kursieren viele verschiedene Lehren
der allgemeinen Gnade, doch jede Lehrrichtung der allgemeinen Gnade
beinhaltet zwei grundlegende Punkte. Erstens, Gott hat eine wohlwollende
Einstellung gegenüber den verworfenen Gottlosen und betrachtet
sie voller Gnade und Mitleid als Objekte seiner liebevollen
Freundlichkeit und seines Erbarmens. Zweitens, alle guten Dinge, die die
verworfenen Gottlosen von Gott in diesem Leben erhalten, bekommen sie
auf Grund einer Liebe Gottes zu ihnen, als Beweismittel seiner Gnade und
seines Wohlwollens und als Beispiele für seinen Segen ihnen gegenüber.
Andere Vertreter der allgemeinen Gnade
würden weiter gehen und drittens behaupten, dass Gott Sünden gnädigerweise
und innerlich in den Verworfenen zurückhält (entgegen der
biblischen Lehre der totalen Verdorbenheit). Viertens, dass Gott sie
gnädigerweise und innerlich dazu in die Lage versetzt, Werke zu
vollbringen, die teilweise gut in seinen Augen sind (entgegen 1. Mose
6,5; Röm. 3,12).
Andere würden sogar noch weiter gehen und
fünftens behaupten, dass Gläubige mit Ungläubigen Freundschaften
schließen sollten (entgegen der Wahrheit der Antithese; 1. Mose 3,15;
2. Kor. 6,14-18). Sechstens, Christen sollten mit Nichtchristen in der
Schaffung des Königreichs Gottes auf Erden kooperieren (entgegen 2. Chr.
19,2; Joh. 3,3).
Andere fügen dem siebtens hinzu, dass Gott
mit den Gottlosen mitfühlt und sozusagen an ihren Gefühlen Anteil
nimmt (um sie zu teilen; entgegen Jos. 11,20; Klag. 2,2). Achtens, die
meisten Vertreter der allgemeinen Gnade verbinden diese mit dem freien
Angebot: ein von ihnen angenommenes ernsthaftes und leidenschaftliches
Verlangen Gottes, die Verworfenen zu retten, welchem aber dennoch immer
widerstanden wird (entgegen Mat. 11,25-27; Röm. 9,17-18, 21-23).
In den nächsten Ausgaben der Covenant
Reformed News werden wir die zwei wesentlichsten Elemente der
allgemeinen Gnade (Gott liebt die Verworfenen und gibt ihnen aus
dieser Liebe heraus gute Dinge) betrachten, denn sie liegen allen
Formen der allgemeinen Gnade zu Grunde und wenn wir diese beiden
Elemente als falsch hingestellt haben, fallen all die anderen
verschiedenen Theorien der allgemeinen Gnade in sich zusammen. Wir
werden uns hierfür nur den Lehren der inspirierten Psalmen zuwenden
anstatt zu versuchen, die ganze Schrift dahingehend abzubilden, um unser
Feld etwas einzugrenzen.
Wir werden mit Psalm 5,5-7 beginnen: „[5]
Denn du bist nicht ein Gott, dem Gesetzlosigkeit gefällt; wer böse ist,
darf nicht bei dir wohnen. [6] Die Prahler bestehen nicht vor deinen
Augen; du haßt alle Übeltäter. [7] Du vertilgst die Lügner; den
Blutgierigen und Falschen verabscheut der Herr."
Beachte Gottes Einstellung gegenüber den
Gottlosen: Hass (6) und Abscheu (7). Jehovas Hass und Abscheu gilt nicht
nur der Sünde, sondern auch dem Sünder: „du haßt alle Übeltäter"
(6) und „den Blutgierigen und Falschen verabscheut der
Herr (7). Mehr noch, es geht nicht nur um einige besonders schlimme
Sünder, Gott „haßt alle Übeltäter" (6). Gott liebt nicht
den verworfenen Sünder, hasst jedoch seine Sünden; er hasst die Sünde
und den Sünder (6-7).
Der Grund für Gottes Hass und Abscheu den
verworfenen Sündern gegenüber, liegt in ihrer absoluten moralischen
Verderbtheit oder totalen Verdorbenheit. Psalm 5 gebraucht Wörter wie
„Gesetzlosigkeit", „böse", „Übeltäter", „Blutgierige"
und „Falsche", um die Gottlosen zu beschreiben. Psalm 5,10 — in
Römer 3,13 als Beweis der totalen Verderbtheit aller gefallenen Sünder
außerhalb von Jesus Christus zitiert — fügt hinzu: „in ihrem Mund
ist nichts Zuverlässiges; ihr Inneres ist [voll] Bosheit, ihr Rachen
ein offenes Grab". Da Gott der Gott ist, der er ist — gerecht,
heilig und rechtschaffen — und da der Mensch total verdorben ist,
hasst Gott die Übeltäter außerhalb von Christus: „ Denn du bist
nicht ein Gott, dem Gesetzlosigkeit gefällt; wer böse ist, darf nicht
bei dir wohnen. Die Prahler bestehen nicht vor deinen Augen; du haßt
alle Übeltäter" (Ps. 5,5-6).
Was ist also mit der Theorie der
allgemeinen Gnade? Gemäß der allgemeinen Gnade liebt Gott die
verworfenen Übeltäter. Gemäß Psalm 5 hasst Gott die verworfenen
Übeltäter. Was wirst du glauben?
Vielleicht denkst du, dass dies zu heftig
und eine „harte Rede" ist, aber Psalm 5 ist die Stimme Gottes. Es
ist die heilige Schrift, inspiriert vom Heiligen Geist und die Worte von
Jesus Christus, der durch die Propheten des Alten Testaments gesprochen
hat (1. Petrus 1,11). Gemäß seines Titels ist Psalm 5 von David
verfasst worden, dem lieblichen Psalmdichter von Israel (2. Sam. 23,1)
und dem Mann nach dem Herzen Gottes (1. Sam. 13,14). Psalm 5,5-7 gehen
direkt Davids von Herzen kommende Bitten an seinen Gott voraus (2-4),
gefolgt von Davids Beschluss anzubeten: „Ich aber darf durch deine
große Gnade eingehen in dein Haus; ich will anbeten, zu deinem heiligen
Tempel gewandt, in Ehrfurcht vor dir" (8). Die Wahrheit von Gottes
Hass den Gottlosen gegenüber (5-7) hindert David nicht am Gebet oder
der Verehrung Gottes, sondern hilft ihm im Gebet (2-4) und in der
Verehrung (8).
David, der Mann nach dem Herzen Gottes,
bekennt die bestimmte Gnade und „Barmherzigkeit" ihm und allen
Heiligen (8), aber nicht den Gottlosen gegenüber, die Gott hasst (6).
Gott betrachtet die „Gerechten" mit „Gnade" und verheißt,
sie zu „segnen" (13), wohingegen er die Gottlosen verabscheut
(7). Psalm 5 lehrt nicht die universelle Liebe Gottes allen gegenüber,
sondern eine bestimmte Liebe Gottes seinem erwählten Volk gegenüber
und einen heiligen Hass gegenüber den verworfenen Übeltätern (5-7).
Psalm 5 verneint die allgemeine Gnade und lehrt eine nicht
allgemeine Gnade.
Nächstes Mal werden wir weitere Psalmen
gegen die allgemeine Gnade betrachten, so Gott will. Rev. Stewart

Die Stellung der
Kinder im Bund (3)
Frage: „Sind Kinder im Gnadenbund auch
was die Taufe angeht betroffen oder nur die erwählten Mitglieder nach
der Bekehrung? Mit wem wurde der Bund der Werke geschlossen? Der
sichtbaren oder nicht sichtbaren Gemeinde? Wie
spielt das alles zusammen?"
Mit dieser Frage habe ich mich bereits in
vorherigen Artikeln befasst und betont, dass Gott sein Volk in der Linie
von Generationen rettet: Gläubige und ihre Nachkommen. Kinder werden
nicht durch die Taufe gerettet (in den Bund gebracht); sie werden auch
nicht durch die Bekehrung in den Bund eingeschlossen, wenn sie das
Erwachsenenalter erreichen; sie werden aus Gnade und souverän von
frühester Kindheit an in den Bund eingeschlossen.
Nichtsdestotrotz ist es wahr, dass nicht
alle Kinder von Gläubigen gerettet werden; Gottes souveräner Beschluss
der Erwählung und Verwerfung zieht sich durch die Linie des Bundes. Wir
haben die Verheißung, dass Gott die Gemeinde aus der Mitte unserer
Kinder aufziehen wird, aber wir haben keine Verheißung darüber, dass
Gott alle unsere leiblichen Kinder retten wird.
In einem gewissen Sinn werden bestimmte
Privilegien denjenigen innerhalb der Linie des Bundes zuteil, die zwar
nicht gerettet sind, jedoch das Evangelium hören und das Zeichen der
Taufe erhalten. Paulus spricht in Römer 9 davon, wenn er sich auf
diejenigen im Alten Testament bezieht, die in der Linie des Bundes
geboren wurden. Er schreibt, dass er große Traurigkeit in seinem Herzen
für seine Landsmänner fühlt, die Christus zurückgewiesen haben und
spricht von ihnen als denjenigen,„die Israeliten sind, denen die
Sohnschaft und die Herrlichkeit und die Bündnisse gehören und die
Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheißungen; ihnen gehören
auch die Väter an, und von ihnen stammt dem Fleisch nach der Christus,
der über alle ist, hochgelobter Gott in Ewigkeit. Amen!" (Röm.
9,4-5).
So erhalten auch alle, die in der Linie des
Bundes geboren werden spezielle Privilegien: ein christliches zu Hause
mit gläubigen Eltern, eine christliche Ausbildung in christlichen
Schulen, eine Gemeinde, in der sie die Predigt hören und im Katechismus
unterrichtet werden, die Gemeinschaft mit gläubigen Heiligen etc. Wenn
sie diesen Privilegien den Rücken zukehren, wird ihre Strafe größer
sein als die Strafe der Heiden, die Privilegien dieser Art nicht
erhalten haben.
Mit der Verkündigung des Evangeliums ist
es nicht anders. Den Hörern des Evangeliums werden bestimmte
Privilegien zuteil, die in der Verkündigung enthalten sind, denn sie
sind ein Teil der manifestierten Gemeinde hier auf Erden, erfahren die
Gemeinschaft der Heiligen, werden in der Wahrheit Gottes gelehrt und
sind wie Hebräer 6,4-5 sie beschreibt. Doch wenn sie das Evangelium
zurückweisen, werden sie für ihre Sünden mehr zur Verantwortung
gezogen als die Heiden, die das Evangelium nie gehört haben. Wem viel
gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert werden (Lukas 12,48).
Wir können diese Sache aus zwei
Blickwinkeln betrachten.
Einmal aus unserer Sicht: Wenn wir in der
Linie des Bundes geboren und getauft werden, die Verkündigung hören,
zu Hause, in der Kirche und in der Schule christlich erzogen werden und
dennoch all dem den Rücken kehren, wird Gottes Gericht furchtbar sein.
In der Tat wird es für Sodom und Gomorra und für Tyrus und Sidon
erträglicher sein als für uns (Mat. 11,21-24).
Doch wir müssen auf die ganze
Angelegenheit auch aus Gottes Sicht blicken. Gott ist immer souverän.
Sowohl von der Taufe als auch von der Verkündigung des Evangeliums ist
wahr, dass es ein zweischneidiges Schwert ist, das schneidet und trennt.
Erwählung und Verwerfung kontrollieren und bestimmen, wer wahrhaft zum
Bund gehört und wer nicht. Und diese souveräne Bestimmung, in der
Vorherbestimmung wurzelnd, wird von Gott durch das Predigen des
Evangeliums und den Sakramenten gewirkt, die das Evangelium begleiten.
Gott rettet durch die Mittel des Wortes und der Sakramente, doch er
verhärtet auch auf genau diese Weise.
Während die Schrift lehrt, dass nur die
Erwählten wirklich zum Bund gehören, gehören viel mehr der
historischen Administration des Bundes an. Viel mehr als die Erwählten
gehören zur sichtbaren Gemeinde und viel mehr gehören deshalb der
historischen Administration des Gnadenbundes an. Das Fangnetz der
Verkündigung fängt guten und schlechten Fisch (Mat. 13,47-50). Das
Feld der Welt birgt guten Samen und Unkraut in sich (24-30, 36-43).
Wir wollen einige Illustrationen aus der
Schöpfung verwenden, um den Punkt klarer zu machen. Die historische
Erscheinungsform von Gottes Gnadenbund ist wie ein gewaltiger Fluss, der
durch die Geschichte fließt. Lasst uns das konkrete Beispiel des
Amazonas in Südamerika nehmen. Es soll die historische Erscheinungsform
von Gottes Wirken im Bund veranschaulichen. Während der Fluss durch den
Dschungel Brasiliens fließt, fließen andere Flüsse in ihn und werden
zu einem Teil des Amazonas. Diese Zuflüsse verlieren ihre
Individualität, wenn sie Teil des Amazonas werden. So werden im Laufe
der Geschichte durch die Missionsarbeit der Kirche neue Generationen in
den Bund gebracht. Diese Generationen verlieren ihre ehemalige
Identität und werden ein Teil von Gottes Bund.
Gleichzeitig erreicht ein Teil des
Flusswassers niemals seine Mündung. Es verdampft durch die Hitze der
Sonne, wird ans Ufer gespült, wird dem Fluss durch Bewässerungssysteme
entnommen und fängt sich in Strudeln und Wirbeln. Dadurch wird das
Wasser vom Fluss getrennt, und obwohl es für einige Zeit Teil des
Flusses gewesen ist, gehört es nicht mehr zu ihm. So auch in Gottes
Bund, viele werden in der Linie des Bundes geboren, doch sie werden aus
dem Bund durch Gottes Bestimmung und ihren eigenen Unglauben gelöscht.
Nur wenn Gottes Bund wie ein Fluss die
Ewigkeit erreicht, werden die Erwählten in die vollkommene
Verwirklichung von Gottes ewig währendem Gnadenbund mit seinem Volk
gebracht.
Das Bild eines Weizenfeldes ist hierfür
auch passend. Das Weizenfeld ist die historische Erscheinungsform von
Gottes Bund. In ihm ist sowohl Weizen als auch Unkraut vorhanden. Auf
dieses Feld scheint die Sonne und fällt der Regen; die Nährstoffe des
Düngers bringen den Weizen zum Wachsen als Weizen, doch auch das
Unkraut zum Wachsen als Unkraut (Heb. 6,7-8). Nur in der Erntezeit
werden die Weizenkörner vom Unkraut getrennt (Mat. 13,40-43). Doch nur
ein in Bezug auf Landwirtschaft völlig unverständiger Mann, würde das
Weizenfeld eines Bauern als ein „Unkrautfeld" bezeichnen, nur
weil er einige Disteln darin entdeckt hat. Es bleibt ein Weizenfeld und
es als etwas anderes zu bezeichnen ist abwertend. So ist auch der Bund,
Gottes Bund und die dazugehörigen Menschen sind Gottes Bundesvolk, auch
wenn sich gottlose Menschen in ihm befinden. Die Bezeichnung liegt im
Einklang mit seinem Zweck. Ein Weizenfeld ist ein Weizenfeld, weil die
Absicht des Farmers darin besteht, Weizen wachsen zu lassen. Gottes Bund
ist Gottes Bund, auch wenn sich Gottlose in seiner historischen
Erscheinungsform befinden, weil Gottes Absicht darin besteht sein
erwähltes Bundesvolk zu retten. Prof. Hanko

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